„I’ll write you a letter tomorrow
Tonight I can’t hold a pen
Someone’s got a stamp that I can borrow
I promise not to blow the address again.“
Can’t Hardy Wait, The Replacements
Zum heutigen SongOtto Frello: Fantastisch, detailreich, surreal.
Das Otto-Frello-Museum in Varde würdigt das beeindruckende Werk des dänischen Künstlers Otto Frello (1924-2015). Die Dauerausstellung zeigt Gemälde voller Präzision, Kreativität und humorvollen, oft skurrilen Details. Frello verband Alltagsszenen mit magischen Elementen und schuf so einzigartige, faszinierende Kunstwerke. Ich habe das Gefühl, dass er immer die Gegenwart mit Vergangenheit und Zukunft verschmelzen lässt, es dann durch surreale Elemente zu einer imaginären Welt werden lässt, die uns unser Handeln und dessen Auswirkungen vor Augen führt.
So wie ich das verstanden habe, wollte Frello jeder und jedem die Interpretation seiner Werke selbst überlassen.
Ich sehe in vielen seiner Bilder eine starke Kritik an der Art und Weise, wie wir unseren Planeten behandeln und die
Der Bernsteinwald, 1997-98

Details aus dem Werk

Erinnert etwas an den „Eastern Bluebird“ (Sialia sialis)
Detailaufnahme aus Frellos Bernsteinwald
Ein Vorläufer des Eisvogels?
Detailaufnahme aus Frellos Bernsteinwald


Koboldmaki
aus Otto Frellos Bernsteinwald
Harz fließt über Insekten
aus Otto Frellos Bernsteinwald

Der „Bernsteinwald“ von Otto Frello spielt mit der Idee von Zeit und schafft eine Atmosphäre, die weder eindeutig einer bestimmten Epoche noch der realen Welt zuzuordnen ist. Vielmehr wirkt das Bild zeitlos, in einer Zwischenwelt von Vergangenheit, Gegenwart und Fantasie. Ich sehe die Welt, wie sie vor Jahrmillionen existiert hat. Als der Harz der Bäume zu Bernstein wurde. Die Zeugen dieser Zeit wurden darin eingeschlossen. Insekten, die uns heute eingeschlossen in Bernstein erhalten sind, wunderbare Vögel, ein Dinosaurier gar, ein Koboldmaki (dessen Augen größer als dessen Gehirn sind), Schildkröten, Lurche und so vieles mehr. Die Kraft dieses Bildes wird nur dann deutlich, wenn man davor steht.
Wie bei all seinen Bildern erschließen sich immer wieder neue Details, je häufiger man draufschaut.
Det sidste menneske (Der letzte Mensch), 2000

Eines meiner Lieblingsbilder. „Det Sidste Menneske“ (Der letzte Mensch) ist düster-philosophisch. Es wirkt wie eine postapokalyptische Welt. Die Figur scheint wissend und mahnend aus dem Bild herauszukommen. Weniger flüchtend vor dem, was im Hintergrund kommt – eine nue Eiszeit? Das letzte Grün scheint von der zerstörten, futuristischen Welt verdrängt zu werden. Eine Mahnung? Für mich schon. Dennoch wirkt der Mensch wie aus der frühen, frühen Vergangenheit – erneut ein Bindeglied zwischen Zukunft, Vergangenheit, Gegenwart (der Mensch kommt uns entgegen) und Imagination. Allein der Holzrahmen um dieses Bild herum, macht dieses Werk beeindruckend.
Læsende pige (Lesendes Mädchen) 1979

Details aus dem Werk

Wachende Fantasiewesen
Details aus Frellos Læsende pige
Der Wachhund <3
Details aus Frellos Læsende pige

Das Werk Læsende pige (Lesendes Mädchen) beeindruckt mich wegen der hundeähnlichen Wesen, die zu Füßen des Mädchens sitzen und der Sicherheit, die dieser Raum ausstrahlt. Vor dem Fenster tobt ein Schneesturm. Hier drin aber scheint es warm, wohlig und sicher. Faszinieren sind die vielen Details, die Frello – wie so oft – darstellt.
Fuglene kommer (Die Vögel kommen), 1982

Wieder so ein Bild, in dem sich Natur und Mensch gegenüber stehen. Hier sind es dir Vögel, die in Scharen in die Welt der Menschen einzudringen scheinen. Die geöffnete Kiste Geld hilft da wohl wenig. Die Vögel sollten bedrohlich wirken. Ich kann aber nicht anders, als zu denken: Tja, wir hatten unsere Chance. Der Ausdruck des Paares vermittelt dies ebenfalls. Da ist keine Panik. Eher das Eingeständnis, dass es nun vorbei ist.
Für mich erneut eine Mahnung, mit der Natur sorgsamer umzugehen. Kein Reichtum kann hier helfen.
Nebenbei sind es wieder die Vögel, die die Hauptrolle spielen. Für mich auf ewig die Botschafter zwischen ferner Vergangenheit und Zukunft. Vögel sind die einzigen heute lebenden Nachkommen der Theropoden, einer Gruppe fleischfressender Dinosaurier. Diese Verbindung macht Vögel zu einem lebenden Bindeglied zwischen der prähistorischen Welt und der heutigen.



